Ageplay – Tabu brechende Fantasie oder harmloses Rollenspiel?

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Ageplay im BDSM bezeichnet eine Form des Rollenspiels, bei dem sich ein Mann oder mehrere gegenseitig eine andere Altersidentität vorgeben oder sich behandeln lassen. Dabei kann eine Person entweder älter oder jünger als in der Realität erscheinen. Gemeinhin konzentriert sich das Spiel jedoch auf das Nachahmen eines jüngeren Alters, wobei die beliebtesten Altersstufen oft Babys, Kinder oder Teenager sind. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Ageplay nicht zwangsläufig sexuelle Aspekte beinhalten muss. Die Anzeichen eines angenommenen Alters werden oft durch übertrieben kindliche Kleidung, die Verwendung von Windeln, Spielzeug für Kinder und Malbüchern betont. Darüber hinaus übernehmen die “jüngeren” Teilnehmer oft sprachliche Ausdrücke und Verhaltensweisen, die als altersgerecht oder typisch für das nachgeahmte Alter empfunden werden.

Das Spiel der Altersidentitäten: Warum Menschen andere Alter annehmen wollen

Der “ältere” Spielgefährte beim Ageplay findet Freude an kindlichen Elementen, die auch bei Erwachsenen vorhanden sind, und empfindet Befriedigung daraus, den “jüngeren” Rollenspielern Fürsorge, Betreuung, Trost und Unterricht anzubieten. Erwachsene, die in die Rolle von Kindern schlüpfen, genießen oft die Möglichkeit, ihre inneren kindlichen Gefühle und Reaktionen ungehemmt zum Ausdruck zu bringen.

Das Ageplay befasst sich mit dem Ausleben von kindlichen Anteilen, die in uns allen existieren. Es ist auch eine Möglichkeit, das Bedürfnis nach Fürsorge auszuleben, das bei manchen Menschen stärker ausgeprägt ist. Es ist wichtig hervorzuheben, dass Ageplay nichts mit Pädophilie zu tun hat, einer Störung der sexuellen Präferenz.

Beim Altersspiel können bestehende Machtdynamiken im BDSM berücksichtigt und verstärkt werden, indem die “jüngere” unterwürfige Rolle bewusst und aus freien Stücken eingenommen wird. Viele Menschen betrachten ihre kindlichen Anteile und Verhaltensweisen als integralen Bestandteil ihrer Identität oder als Grundlage für ihre Beziehungen, weshalb Ageplay nicht ausschließlich als Fantasie-Rollenspiel betrachtet werden sollte. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Einzelpersonen familiäre Rollen in einem sexuellen Kontext einbeziehen. Besonders verbreitet sind dabei Rollen “Daddy” auf der einen Seite und “Little Boy” auf der anderen Seite.

Übliche Ageplay-Dynamicen

  1. Daddy Dom/little boy/Cargiver/little

Die DDlb-Dynamik ist nicht geschlechtsspezifisch. Jede Person, egal welchen Geschlechts, kann beide Rollen spielen. Der springende Punkt ist, eine Version der gesellschaftlich vorgeschriebenen Vater-Sohn-Dynamik zu schaffen. Das kann auch eine Mama/Kleiner-Junge-Dynamik oder eine nicht geschlechtsspezifische Betreuer/Kleiner-Rolle sein. Die Idee ist, dass sich eine ältere Person um einen Jugendlichen oder ein Kind kümmert.

  1. Adult Babies/Windel Lovers

Innerhalb der Dynamik von Papa/kleinem Jungen gibt es auch Menschen, die gerne Windeln tragen und/oder “Babys” sind. Das sind “Menschen, die als ‘Adult Baby, Diaper Lovers’ oder ABDLs bekannt sind”. Einige von ihnen schlüpfen gerne in die Rolle eines Babys und tragen dabei eine Windel, andere wiederum können jedes Alter spielen, tragen aber trotzdem eine Windel.

  1. Caregiver (Betreuer)/Brat

Eine weitere Unterart der Dynamik zwischen Betreuerund Kind ist, wenn das Kind ein “Brat/Balg” ist. Sie sind ungehorsam und der Papa/der Betreuer verteilt “Strafen”. Dazu können Prügel, Sinnesspiele, Fesselspiele usw. gehören. Nicht alle Untergebenen, die sich im BDSM als “Brat/Bengel” bezeichnen, spielen mit dem Alter, aber es ist erwähnenswert, dass einige es tun.

  1. Ältere Person/jüngere Person

Ageplay kann auch einfach eine “ältere Person” einbeziehen, die eine “Machtposition” über den die „jüngere Person“ innehat. Denk an: Lehrer/Schüler, Coach/Sportler, Vater/Babysitter usw. Stell dir vor, du bist ein unartiger Schüler und dein Partner ist der ältere, kultivierte Professor, der dir zeigt, wo es lang geht: Das ist aufreizend und wird als skandalös empfunden.

Ageplay im Fokus: Wichtige Überlegungen und Aspekte, die es zu beachten gilt

Diese Form des Spiels, insbesondere wenn ein Erwachsener die Rolle eines Kindes übernimmt, wird oft missverstanden. Es ist wichtig zu betonen, dass Menschen, die sich in solchen Spielen engagieren, keine Pädophilen sind und keine sexuelle Anziehung zu Kindern verspüren. Dennoch kann Ageplay innerhalb der BDSM-Szene auf Unverständnis stoßen und als pervers bezeichnet werden.

Es ist wichtig, den Menschen sachlich zu erklären, warum man das macht, was man macht, und was man dabei empfindet. Man möchte die kindlichen oder – je nach gewähltem Alter – fürsorglichen Aspekte nach außen tragen. Es ist auch wichtig zu betonen, dass persönliche Vorlieben die anderer nicht berühren sollten. Denn “Deine Vorlieben sind nicht meine Vorlieben, aber deine Vorlieben sind in Ordnung!”(Your kink is not my kink, but your kink is ok.)

Aus diesem Grund wird Ageplay oft als Randspiel (Edgeplay) betrachtet und in den RACK-Bereich (Risk-Aware Consensual Kink) eingeordnet, da es an Pädophilie- oder Inzestfälle erinnern und dadurch bestimmte Auslöser schaffen kann. Fans dieser Spielart betonen jedoch, dass Ageplay eine einvernehmliche Fantasie ist, die von Erwachsenen gespielt wird und an der keine realen Minderjährigen beteiligt sind. Andere betrachten das Altersspiel als potenzielles Randspiel, da es rückbildende psychologische Aspekte beinhalten kann, die die Psyche der Beteiligten auf verschiedene Weise gefährden können.

Ein sicherer Einstieg ins Ageplay: Tipps und Ratschläge für Anfänger

  • Starte deine Recherche: Als Erstes solltest du und dein/e Partner darüber nachdenken, was ihr in der Ageplay-Szene erreichen möchtet. Forsche nach den verschiedenen Dynamiken im Altersspiel, um herauszufinden, was euch anspricht.
  • Kommunikation ist der Schlüssel: Sprich mit deinem Partner darüber und finde heraus, ob ihr beide daran interessiert seid, diese Rollen gemeinsam zu erkunden. Wie bei allen BDSM-Szenarien müssen diese Szenen im Voraus ausführlich besprochen und verhandelt werden. Beide Personen müssen zu 100 Prozent einverstanden sein und ihre Wünsche und Grenzen respektieren. Es kann hilfreich sein, diese aufzuschreiben, um sie als allgemeine Richtlinien zu verwenden und sie im Laufe der Beziehung anzupassen.
  • Einverständnis ist entscheidend: Wenn Menschen miteinander spielen, hat jeder das Recht auf vollständige Zustimmung. Ageplay beinhaltet Rollenspiele und/oder Machtwechsel, bei denen ein oder mehrere Erwachsene in die Rolle einer anderen Altersgruppe schlüpfen. Nur volljährige Erwachsene, die damit einverstanden sind, sollten an solchen Spielen teilnehmen.
  • Habe ein Sicherheitswort: Ein Safeword ist ein nicht-sexuelles Wort, das deinem Partner signalisiert, dass du möchtest, dass das Spiel stoppt. Es bedeutet, dass eine Grenze erreicht wurde. Viele Menschen finden es hilfreich, im Voraus ein Safeword festzulegen. Mit diesem kannst du sicherstellen, dass das Spiel beendet wird, wenn es sich zu intensiv anfühlt.
  • Plane die Nachsorge: Die Nachsorge ist das Ritual, das Paare nach besonders intensiven Szenen durchführen. Die meisten Menschen genießen es, auf die Bedürfnisse des anderen einzugehen und Kuscheln sowie andere beruhigende Verhaltensweisen einzubauen, um Sicherheit und Wohlbefinden nach dem Spiel wiederherzustellen. Dies gibt beiden Partnern die Möglichkeit, wieder eine Verbindung herzustellen, zur Ruhe zu kommen und zur Neutralität zurückzukehren. Große und aufregende Rollenspielabenteuer können mit vielen Emotionen verbunden sein. Es ist wichtig, darauf Rücksicht zu nehmen, damit alle ein optimales Erlebnis haben.

 

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